Wörterbuch eines Lebenskünstlers
Dr. Ronnie M. Peplow
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30. May 2007 |
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Zwar liegen unsere schönen sieben Inseln nicht hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen, trotzdem sind sie weit weg von den Zentren Europas. In vielen Bereichen ist die räumliche und zeitliche Distanz zu spüren. Vieles braucht einfach viel länger, bis es hier ankommt und muss sich dann auch noch bei den stolzen Canarios durchsetzen. Die lassen auf ihre eigene Sichtweise der Welt nicht viel kommen, darin sind sie so illustren Völkern wie Bayern und Ostfriesen durchaus nicht unähnlich. Umso erstaunlicher und erfrischender ist die Tatsache, dass alle modischen Neuheiten hier sofort umgesetzt werden.
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24. May 2007 |
Canarien ist ein Paradies für Feuerwerker.
Als wir vor einigen Jahren auf die Insel der Glückseligen kamen, wurden wir mit einem Feuerwerk empfangen. Da wir bis heute nicht herausgefunden haben, warum an jenem Tag der Himmel in vielen Farben leuchtete, es krachte und knallte als befänden wir uns auf einem Schlachtfeld, glaube ich fest daran, dass dieses Spektakel allein für uns veranstaltet wurde. Offen bleibt die Frage, ob es uns Willkommen heißen oder wieder aus dem Dorf vertreiben sollte.
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1. May 2007 |
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Die Entfernung vom europäischen Festland bringt für unsere schönen Inseln nicht nur Nachteile mit sich. Zwar müssen die meisten Güter auf dem Seewege hierher transportiert werden, was sich im Preis niederschlägt, aber dieser Umstand wird durch bestimmte Vergünstigungen wieder aufgewogen. So unterliegen Genussmittel und elektronische Geräte keinem Zollzuschlag wie auf dem Festland, was besonders für die armen Touristen aus dem Norden interessant ist. Nicht nur ein anständiger Rausch ist hier viel billiger als in der Heimat, auch Kameras und andere Spielzeuge kosten viel weniger.
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17. April 2007 |
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Da ich im Zentrum des Ortes wohne, bekomme ich viel von den Ritualen und Festen der hier ansässigen Bevölkerung mit. Das ist manchmal etwas lästig, aber meistens auch interessant und lehrreich. Alfred beschwerte sich unlängst wieder über die vielen Feuerwerke und das Geböller, von dem er schon mal morgens um sechs aus dem Bett geworfen wird. Vor allem sein Hund reagiert auf den Lärm ziemlich allergisch. Meist braucht er eine gute halbe Stunde, um sich zu beruhigen. Mir persönlich würde sein irres Gebell mehr auf die Nerven gehen, als das Geknalle, aber Hundebesitzer verzeihen ihrem Liebling ja so allerlei.
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3. April 2007 |
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„Light“ ist in. Nach Zigaretten, Wurst und Margarine, Brausegetränken, Kaffee und Bier gibt es jetzt endlich auch Leben „light“. Erwartungsgemäß zunächst in der weichgespülten Version, d.h. ohne die zentralen Zutaten: den „light“ Ausgaben fehlt immer etwas Wesentliches, das zugleich schädlich ist: Nikotin, Fett, Zucker oder Koffein. Kennzeichen des leichten Lebens wäre demnach die Abwesenheit der Dinge, die es uns schwer machen: Ärger, Leid, Frustration, Pflicht und Angst.
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20. March 2007 |
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Auf den Inseln der Glückseligen findet man noch einen Typus, der in anderen Gegenden schon ausgestorben scheint, den Bastler.
Der Bastler ist ein Mensch, der kaum plant, dafür aber um so mehr improvisiert. Das scheint ein mangelhaftes und zufälliges Vorgehen zu sein, völlig ungeeignet für die fortschrittlichste aller Welten. Wenn ich mir allerdings ansehe, wohin uns die Planungswut führt, welche Blüten sie treibt und was für Ergebnisse sie hervorbringt, dann möchte ich die Bastelei und das Prinzip Improvisation rehabilitieren.
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6. March 2007 |
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Hier am Rand der Welt haben sich Tugenden erhalten, die in der modernen Welt bereits in Vergessenheit geraten sind. Ob zurecht oder nicht, vermag ich nicht zu entscheiden, dies möge bitte jeder für sich selbst herausfinden. Fakt ist, dass auf Canarien nicht nur die Uhren langsamer gehen, auch die Menschen ticken anders.Schon bevor das Schlagwort von der Globalisierung in aller Munde war, hatte die Post bereits ihr weltumspannendes System errichtet.
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